Metallfassade Stellwerk Gürtel

Kunstfassade / Fassadenkonstruktion für ein Stellwerkhäuschen der ortsansässigen Stadtbahn

Metallfassade Stellwerk Gürtel

Kunstfassade / Fassadenkonstruktion für ein Stellwerkhäuschen der ortsansässigen Stadtbahn

Für dieses tolle Projekt erhielten wir in der Kategorie „Türen, Tore, Zäune“ den Deutschen Metallbaupreis 2019.

Inspiriert durch unser Projekt Sitzinseln und Tiefgaragenabgänge in Brühl kam die Architektin Ute Pieroeth gemeinsam mit dem Künstler Wolfgang Rüppel im Frühjahr 2017 auf uns zu mit dem Anreiz für ein spannendes Projekt im Bereich des Metallbaus zu entwickeln.

Die Kölner-Verkehrs Betriebe AG hat das Architekturbüro beauftragt eine „besondere“ Fassadenkonstruktion für ein Stellwerkhäuschen der ortsansässigen Stadtbahn in einer auffälligen Lage, direkt am Rhein, zu entwerfen und zu planen.

Die Idee des Künstler Wolfgang Rüppel war es, das Schriftstück „Stilübungen Autobus S“ (1947) von dem bekannten französischen Dichter und Schriftsteller Raymond Queneau in einem Flaggentext des internationalen Flaggenalphabet auf der Fassade darzustellen. Die Geschichte ist eine Anekdote, die in dem Werk in 99 Varianten erzählt wird. Eine dieser Varianten soll auf der Fassade erzählt werden.

Es sollte eine Konstruktion aus Blechen ausgeführt werden, allerdings keine gewöhnliche Kassettenfassade oder ähnliches, sondern eine Fassade mit gekanteten/gefalteten Blechen.

Zu den besonderen Herausforderungen zählte es, aufgrund der Lage und der Freifläche ein Objekt zu entwickeln, dass gegen äußere Einflüsse, insbesondere gegen Graffiti geschützt ist.

In Kooperation mit unserem Kantbetrieb, einer speziellen Druckerei für digitale Produktionsmethoden und einem Spezialisten für Lackapplikationen stellten wir uns allen Herausforderungen. Mögliche Risse in den Kantfolien beispielsweise, die in den Kantungen entstehen und somit nicht nur die Optik des Gesamtkunstwerks stören würden, sondern auch das Entfernen von Graffitis unnötig erschweren. Wir lösten die Problematik, in dem die bedruckten Flaggen nicht über die Kantungen gehen, sondern ein weißer Streifen verbleibt.

Dadurch können die gerissenen Ecken nach der Kantung nahezu unsichtbar mit einer speziellen Beschichtung bearbeitet und geschützt werden. Diese Idee und Umsetzung führten zu dem zusätzlichen Effekt, dass die Fassade aus einem entsprechenden Blickwinkel komplett weiß erscheint.

Nun war es unsere Aufgabe die Unterkonstruktion und technische Umsetzung für die Fertigung und Montage dieser außergewöhnlichen Fassade zu entwickeln und planen. Hierzu haben wir verschiedene Entwürfe geplant, mit der Architektin abgesprochen und in unserem CAD Programm simuliert. Dabei wurden insbesondere die architektonischen und künstlerischen Aspekte, jedoch auch die logistischen und gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt. Die Fassade beinhaltet zwei Terassentüren, die nach Möglichkeit „unsichtbar“ sein sollen und gleichzeitig als Fluchtweg für die Mitarbeiter des Stellwerks dienen müssen. Mit diesem Hintergrundwissen wurde der Fassadenaufbau in Anlehnung an ein bekanntes Fassadensystem entwickelt.

Die Herausforderung die Fassadentür über die gesamte Höhe und zusätzlich als Paniktür auszubilden haben wir durch eine intelligente mechanische Konstruktion lösen können. Da der Abstand zwischen der Tür des Stellwerks und der Terassentür lediglich ca. 30 cm beträgt musste in dem Fall, dass beide Türen geschlossen sind und jemand im inneren des Stellwerks ist, die Öffnung beider Türen von innen gewährleistet sein. Die Anforderung die Tür sehr leichtgängig auszuführen wurde mit einer besonderen Konstruktion mit Edelstahlkugellagern realisiert. Die genaue Lage des Drehpunktes musste so festgelegt sein, dass die Tür exakt in die Fassade integriert wird und beim Öffnen um die rausragenden Kantungen herumschwenkt. Aufgrund der Tatsache, dass das Stellwerkhäuschen nahe am Rhein gebaut ist und auf einer freien Fläche steht ist der Einfluss von Windkräften auf die ca. 4 m hohe Tür enorm. Damit es hier beim Öffnen und schließen zu keinen Verletzungen kommt, ist die Tür mit einer Gasdruckfeder ausgestattet und zusätzlich mit einem Sicherungsseil gesichert.

Der logistische Ablauf wurde minuziös geplant und eingehalten. Jedes Blech hat einen anderen Druck und da die Bleche nur in der richtigen Reihenfolge den korrekten Text wiedergeben, musste die Rheinfolge des Drucks und des Transportes derart geplant werden, dass die Montage reibungslos und fehlerfrei abläuft. Auch musste eine strikte Packliste für die einzelnen Paletten erstellt und eingehalten werden. Diese konnten wir dank intensiver Vorbereitung sehr gut umsetzen.

Leider haben sich, nur kurz nach Fertigstellung, die ersten Grafitti-Sprayer an unserem wunderbaren Kunstwerk ausgetobt. Aufgrund guter Vorbereitung konnten diese Beschädigung mit Hilfe des Beschichters nahezu rückstandlos entfernt werden.

 

Projektbeschreibung

Projekt: Metallfassade Stellwerk Gürtel
Material: Stahl
Besonderheiten: Einbindung der Türen in die Fassade, zusätzliche  Anforderung einer Panikfunktion, Mitgestaltung und
Entwurf der gesamten Fassade, Eckenausbildung sehr detail- und planungsintensiv, Berücksichtigung
des Künstlers, besondere Anforderungen aufgrund von Graffiti, Bleche wurden bedruckt und zusätzlich
beschichtet und gekantet.
Fertigstellung: 2018

 

IMPRESSIONEN

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